oder  auch “Die Fortsetzung ist in einer Trilogie immer der schwächste Teil!

Sehr geehrter Herr Gottschalk,
sie scheinen zu lange Teil des System Fernsehens zu sein.  Denn die Begegnung „Aus gegebenem Anlass“ war ja wohl fast ausschließlich Ihr Monolog zur Verteidigung des schlechten Geschmackes. Herr Ranicki lehnt Unterhaltung nicht grundsätzlich ab.  Aber von Herrn Gottschalk kommt immer nur der Satz,: „ja wenn wir Kultur machen will das keiner sehen!“ Herr Ranicki hat ihnen aber einen anderen Weg gezeigt, den Sie nicht sehen wollten oder konnten. Kann es sein, dass sie zu verblendet sind?

Es gab früher mal den Ansatz, wenn dich jemand nicht versteht, dann ist NICHT dein Gegenüber zu dumm dazu, sondern du hast dir nicht genug Mühe gegeben es so zu erklären, dass dein Gegenüber es verstanden hat. Genau in dieser Situation ist das Fernsehen und Ihnen fällt nur ein immer wieder darauf hin zu weisen, dass diejenigen die es sich ansehen zu dumm, zu faul, zu uninteressiert sind. Bleiben wir bei Shakespeare. Wenn Herr Ranicki ihnen den Hinweis gibt, vielleicht mal bei Shakespeare zu suchen, so etwas zu verfilmen, sagen Sie allen Ernstes, dass die Jugend so was nicht mehr sehen möchte? Dann kennen Sie Romeo und Julia nicht in der Verfilmung mit Leonardo DiCaprio, oder? Der Film hat genau das geschafft. Historischer Stoff, neues Setting und viele junge Leute haben ihn begeistert gesehen, obwohl sogar die Dialoge wortwörtlich von Shakespeare übernommen wurden. Des weiteren gibt es seit vielen, sehr vielen, Jahren mindestens eine Sendung die komplexe Zusammenhänge wunderbar und mit vergleichbar hohem Erfolg vermitteln kann. Die Sendung mit der Maus.
Genauso ist es ein deutliches Zeichen, dass sie ihr eigenes Publikum extrem verachten wenn Sie sagen, dass die alle nur noch entspannen wollen und keiner mehr Lust hat seinen eigenen Grips an zu strengen. Bei sehr vielen Sendungen, wie z.B. den ganzen Quizshows, oder Sendungen wie „Das weiß doch jedes Kind“, „Clever“ ja selbst Sendungen wie „Genial daneben“ beruht der Erfolg zum großen Teil auf einer Art Mitmachfaktor. Das heißt die Leute wollen auch ein wenig ihren eigenen Grips anstrengen können. Es geht dabei viel mehr um die Art wie man es ihnen vermittelt.
Eventuell ein eigenartiges Beispiel. Aber können Sie sich an die Werbung für Obstgarten erinnern? In der schwere Kost nicht gefragt war, dafür aber locker leichte Früchte und Quark? Vielleicht muss das Fernsehprogramm in diese Richtung, schon mal drüber nachgedacht? Aber immer kommen solche Oberlehrer wie sie, die nur sagen könne, dass man den Stoff trocken vermitteln muss wenn auch was hängen bleiben soll und somit beweisen, das sie keine Ahnung von Ihrem Job haben. Galileo Mystery vermittelt auch vielen jungen Leuten eigentlich sehr trockenen Stoff. Wenn es dort auch in meinen Augen auf das falsche hinaus läuft. Die Dokumentarfilmer und Leute die Terra X und ähnliche gute Formate gemacht haben, passen sich diesem Stil schon an, obwohl das so nicht nötig wäre. Besser wäre es in Ergänzung neue Formate zu schaffen, statt die alten zu opfern. So käme man insgesamt zu mehr gutem Programm.
So fatal das einerseits ist, aber die Trennung zwischen Information und Unterhaltung im Fernsehen muss viel öfter fallen. Denn nur weil einer etwas lustig sagt ist es ja längst nicht weniger wahr in diesem Moment. Man muss nur aufpassen, dass die ganze Sache nicht instrumentalisiert wird und Halbwahrheiten oder Werbung die Infoteile bestimmen oder wenigstens als solche zu erkennen sind. Das wäre dann ihre Aufgabe als Fernsehmacher darauf mit Argusaugen zu achten. Kleine Sender wie Dmax z.B. haben durchaus Zulauf, wenn auch nicht in dem Maße dass sich größere Sender ernsthaft Sorgen machen müssten. Der Zulauf liegt nicht zuletzt auch an Sendungen wie Gordon Ramsay und American Chopper. Diese Sendungen sind so zu sagen das was raus kommt, wenn man von der Unterhaltung in die Richtung Information geht. Heraus kommen Sendungen die uns näher bringen wie faszinierend ein Handwerk sein kann, ob nun Motorräder bauen, oder kochen. (Gutes Stichwort übrigens, denn selbst Kochsendungen sind unterhaltsam und lehrreich gemeinsam und vermitteln bestimmte Werte) Im Übrigen werden ja auch Sendungen dieser kleinen Sender von großen nachgeahmt und Rach der Restauranttester ist oft genauso gut wie das Original.
Lieber Herr Gottschalk, auch sie werden mit Graus damals gesagt haben: “Oh Gott Big Brother, der Untergang der Fernsehkultur”. Und mit dieser Einstellung kann natürlich auch nix anderes daraus werden, als das was sie sich wünschen. Leider aber nur in Ihrem Kopf, den in Wahrheit hat Big Brother doch eine völlig andere, sehr verblüffende Wirkung gehabt. Viele junge Leute haben es damals gesehen weil es sie interessiert hat, wie das ist, wenn Menschen mit einander auskommen müssen. Wenn sie so sind wie sie sind und wie sie reagieren in extremen Situationen. Im Übrigen sogar ziemlich gut nach zu voll ziehen, an Hand der Quoten, je mehr „geschauspielt“ wurde von den Kandidaten desto schlechter wurden die Quoten.
Im Moment erklärt sich selbst der Erfolg von DSDS, seines Zeichens ja dann auch wohl verdienter Fernsehpreisträger, auf dem Interesse von Menschen daran, wie andere Menschen sich verhalten in Extremsituationen. Es ist die alte , ach was, die uralte Geschichte die jedem beim Fernsehen eigentlich bekannt sein müsste, von den Helden die ausziehen müssen aus Ihrer vertrauten Umgebung in die fremde unbekannte Welt, dort Prüfungen bestehen müssen um am Ende mit dem wohlverdienten Lebenselixier zurück zu kehren. Und wenn Sie nicht gestorben sind,….
Jetzt ist die Frage wie lange das Fernsehen, oder explizit vielleicht sogar, die Öffentlichrechtlichen, für die ich ein verdammtes Schweinegeld zahle, die Vermittlung von Werten weitestgehend kampflos den Popstars, Superstars, Supermodels, Zwegerts und Saalfranks zu überlassen und statt dessen stereotyp an Ihren Lindströms, Stadeln und sonstigem vergleichbar verdummendem Programm festhalten. Das ist sehr grausam und sehr sicher wird Herr Ranicki solche Sendungen auch nicht sehen. Ich glaube, dass wegen dieser Sendungen Alzheimer erfunden wurde. Dann kann man das ganze wenigstens getrost vergessen.
Also Herr Gottschalk, kommen Sie runter von Ihrem hohen Ross und fangen Sie an zu arbeiten. Fragen Sie Dramaturgen nach den wichtigsten Geschichten und fangen Sie an, diese zu verfilmen, aber mit den wichtigen Werten die sie so lieben. Die Sendung liefert immer nur die Hülle zu dem was man eigentlich sagen will und im Moment sieht es so aus, als hätten die Öffentlichrechtlichen zumindest nix anderes zu sagen, als „SEID IHR ALLE DOOF IHR ZUSCHAUER“
Wenn es das war, an dem sie festhalten wollten, dann bin ich froh das ich Ihre Schmonzette am Samstagabend lange nicht mehr sehe, in denen Väter noch mit Ihren Söhnen lustige kleine Wettspielchen machen. Ist das wirklich alles was sie noch vermitteln wollen?

Kleiner Nachtrag zu Herrn Ranicki:
Natürlich muss, wer austeilt auch einstecken können, daher auch hier noch die kleine Anmerkung: Helge Schneider ist genial in dem was er tut. Es weiß halt nur niemand was das genau ist. :)
Spaß bei Seite. Sicherlich ist es ein Argument, dem man sich nicht ganz verschließen kann, wie es Henryk M. Broder zuvor in einer Umfrage auf der Buchmesse schön formuliert hat. Wenn sie zum Fernsehpreis gehen ist tatsächlich ein wenig wie ein Besuch im Puff, bei dem sich sich darüber beschweren, dass es da keine Jungfräulichkeit gibt. Und solange sie die Sendungen nicht wenigstens einmal ganz und vorallem ernsthaft, das ist oft das Problem bei einer objektiven Bewertung, gesehen haben. Wenn sie nicht auch mal Leute befragt haben oder beobachtet haben die diese Sendungen sehen, gerne sehen. Dann haben Sie eigentlich auch nicht das Recht sich so dort auf zu spielen.
Ich habe aber so viel Respekt vor Ihnen und Ihrem Alter, so dass ich gut nachvollziehen kann, dass sie sich dort gefühlt haben müssen, als würden ihnen diese Fernsehversager die letzten schönen Stunden auf dieser Erde auch noch rauben wollen, in dem sie Sie dort zu Tode langweilen. Deshalb und natürlich weil damit wenigstens eine Wertediskussion über das Fernsehprogramm in Gang kommen konnte, kann ihnen das niemand übel nehmen.
Und schön auch der Kommentar über die Bewunderung ihren Mutes. Mit 88 kann man sich auch das ein oder andere eher trauen, weil man wenigstens nicht mehr das Gefühl hat man hätte noch viel zu verlieren. Wäre vielleicht schön, wenn auch der eine oder andere Fernsehmensch ähnlichen Mut bei sich erkennen könnte und einfach mal was wagt. Die dürfen gerne auch jünger sein.